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Geschichte

Laisa liegt auf der Höhe der Wasserscheide zwischen Lahn und Eder und am Rande des Rothaargebirges. 

Geschichtliche Tatsache ist, daß der angelsächsische Bischof Bonifatius die Christianisierung des Chattenlandes persönlich betrieb. Urkundlich bewiesen ist, dass er auf der Amöneburg war. Dass er sich auf der Kesterburg, später Christenberg, im Burgwald aufgehalten hat, ist mit Bestimmtheit anzunehmen. Die Behauptung, dass er die Kirche zu Laisa gegründet haben soll, ist deshalb nicht vollends in Abrede zu stellen, weil diese und jene auf dem Christenberg in ihrem Grundaufbau ähnliche Merkmale aufzeigen. Danach müsste um 750 nach Christi schon eine Siedlung „Laisa“ bestanden haben.

 

778 n. Chr. wird der Ort Laisa zum ersten Male urkundlich genannt. Einmal von dem Biographen Karls des Großen, Einhardt, und zum zweiten in den Annales Laurisenses Anno 778 (Jahrbücher des Klosters Lorsch). Beide Quellen berichten von demselben Ereignis, von der ,,Schlacht bei Laisa". Einhardt schreibt: „Karl weilte in Spanien. Inzwischen sind die bewaffneten Sachsen bis an den Rhein schnell vorgerückt. Als sie aber nicht übersetzen konnten, gingen sie bis zur Mündung der Mosel in den Rhein vor. Die Wut der Feindesmacht schonte nicht Alter noch Geschlecht, so daß es sich deutlich zeigte, daß sie nicht zum Plündern, sondern um Rache zu nehmen in die fränkischen Grenzen einrückten. Als der König die Nachricht bei Autosiodorum (Auxerre, Hauptstadt des Departements Yonne in Frankreich) empfing, ließ er die Ostfranken und Alemannen zur Abwehr des Feinds eiligst ausrücken. Die Franken und Alemannen eilten den Sachsen nach, die nach Durchführung ihres Unternehmens im Begriff waren, in ihre Heimat zurückzukehren. Die vom König entsandten Truppen trafen die Sachsen im Hessengau an der Eder auf dem Marsch. Sie griffen sie sofort beim Flußübergang an und brachten ihnen schwere Verluste bei, daß von der gewaltigen Menge nur wenige fliehend nach Hause gekommen sein sollen.“

 

In den Annalen heißt es: „Als die Sachsen gehört hatten, daß König Karl schon lange in Spanien war, empörten sie sich auf Anstiften des Widukind und seiner Genossen nach ihrer üblen Gewohnheit.  Da schickte der König eine Frankenschar, daß sie sich eilig aufmache und den Sachsen entgegentrete. Jene Aufständischen waren bis an den Rhein gelangt. Dort plünderten sie, verübten viele Schandtaten und zündeten die Kirche Gottes an. Als sie plötzlich von der Rückkehr König Karls hörten und von den ihnen entgegengehenden Heerschaften, da ließen die Sachsen vom Rhein ab und kehrten durch Loge- nata (Lahntal) in ihre sächsische Heimat zurück. Die Schar der Franken erreichten sie an der Eder an einem Ort, der Lihesi (Original:... ’in loco qui dicitur Lihesi’ ...) genannt wird. Dort begann ein Kampf: er wurde sehr glücklich zu Ende geführt. Mit Gottes Hilfe gingen die Franken als Sieger hervor und eine Menge Sachsen fiel dort. Die übrigen kehrten flüchtend und schmachbedeckt nach Sachsen zurück. Karl feierte Weihnachten in Heristall (das heutige Herstal nördlich von Lüttich).“

 

Ethymologisch kann Lihesi, der frühere Name Laisas, erklärt werden. Es ist herzuleiten von Leitaha oder Litaha und dies wiederum von dem althochdeutschen Wort Hlita oder Leite, was „Bergabhang“ bedeutet. Die Frage könnte aufgeworfen werden, ob die lateinische Bemerkung „in loco Lihesi“ „in einem Dorf“ oder „an einer Stelle“ bedeutet. Im Zusammenhang mit der sagenhaften Kirchengründung durch Bonifatius ist man geneigt, mit „in einem Dorf“ zu übersetzen. Ob es eine Siedlung der Chatten oder ein befestigter fränkischer Stützpunkt, in dessen Schutz sich Bauern angesiedelt hatten,  gewesen ist, ist nicht zu entscheiden. Ein großer Teil der heutigen Gemarkung dürfte zu den waldfreien Gebieten unserer Heimat schon damals gezählt haben. In den Reihen der Franken kämpften Alemannen, wie besonders in o.a. Schlacht erwähnt wird. Die Siedlungen der Alemannen reichten über den Main nach Norden bis zum Vogelsberg. Obwohl Laisa viel weiter nördlich liegt, finden wir heute noch den typischen alemannischen Rachen-„ch“-Laut. Liegt nicht deshalb die Vermutung nahe, dass Laisa fränkischer Stützpunkt mit alemannischer Besatzung gewesen ist? Nicht nur die sächsisch-fränkische Grenze verlief unweit nördlich von Laisa, die es zu beobachten und zu beschützen galt, sondern auch die alte Heerstraße durch die Wetterau über Marburg herauf bis Frankenberg bedurfte des besonderen Schutzes gegen die Sachsen.

 

Verschiedene Schreibweisen des Ortsnamens im Laufe der Geschichte:

 

  778                 Lihesi bzw. Liesi bzw. Liese (evtl. auch Lichisen)

1226                 Leiza

1291                 Lesen und Lyse

1296                 Lisen und Lysen

1354                 Lysen

14. Jahrh.        Lyssene

1531                 Leysen

1588                 Leisa

1668                 Leysa

1712                 Leußa bzw. Leussa

1868                 Laisa

 

 

Die sagenhafte Herkunft des Namens Laisa knüpft an die geschichtliche Tatsache, dass die Kesterburg und die Burg von Hatzfeld in Beziehung zueinander gestanden haben, an. „Der König der Kesterburg wird von Feinden belagert und ist in arger Bedrängnis. Im Traum erlebt seine Tochter, dass es erst dann für sie gefährlich wird, wenn der grüne Wald gegangen kommt. Die Belagerer bestürmen in den nächsten Tagen erneut die Burg. Sie hatten sich mit grünen Zweigen getarnt. Es blieb keine andere Möglichkeit mehr, als den Feinden die Burg zu überlassen. Die Tochter ging zum feindlichen Anführer und bat um freien Abzug der königlichen Familie. Es wurde ihr gewährt, die Burg mit dem zu verlassen, was sie tragen und an den Händen führen könne. Daraufhin setzte sie den Vater auf die Schulter. die Mutter auf einen Esel, der mit den kostbarsten Schätzen beladen war, und führte sie von der belagerten Burg. Sie schritten westwärts. Nach einer Stunde Weg meinte der Vater: „Hier wollen wir ruhen.“ An dieser Stelle ist der Ort Wollmar entstanden. Als sie dann die westlich gelegenen Höhen erreicht hatten, glaubten sie, sie könnten von den Feinden gehört und gesehen werden und der Vater gebot, hier leise zu gehen. (Der spätere Ort wird Laisa genannt.) Gegen Abend hatten sie das Edertal erreicht und hielten Ausschau nach einem Platze, eine neue Burg zu bauen. „Hier hat's Feld“, meinte die Tochter. An der Stelle erbauten sie die Burg Hatzfeld.“

 

1296 sind zwei Erzbischöfe und elf Bischöfe in der Kirche zu Laisa gewesen. Papst Bonifatius 8. erteilte allen Messeteilnehmern einen Ablass von 40 Tagen.  Dass Laisa damals und später noch bis ins  16. Jahrhundert  hinein eigene Pfarrei gewesen ist, geht aus einer Kirchenbuchnotiz der heutigen Pfarrei Battenberg hervor, die unter 1558 einen in Laisa wirkenden Pfarrer mit Namen Simon Urnarius nennt. Erst in den folgenden Jahren ist eine Verschmelzung der Pfarrei Laisa mit der von Battenberg anzunehmen. Die Gründe hierfür dürften in dem Kleinerwerden des Dorfes, was auf die Pest und die Fehdezeit zurückzuführen wäre, zu suchen sein. Heutige Flurnamen deuten noch auf eine größere Ausdehnung des Dortes hin (Oberndort, Altes Haus). Im Gebiet der Gemarkung des Dorfes sind in der damaligen Zeit andere Ortschaften gänzlich verschwunden. (Wahleiter, Oberletter). Nach der staatlichen Aufgliederung Hessens gehörte Laisa zum Besitz der Grafen von Battenberg, mit dessen Besitzungen es 1291 an das Erzbistum Mainz kam, bis es endlich 1464 in hessischen Besitz gelangte und nach Aufteilung unter den Nachfolgern Phillips 1624 an Hessen-Darmstadt fiel. Von Darmstadt aus gesehen war unsere Heimat das Hinterland (Sibirien Hessens), das die Landgrafen nur gelegentlich ihrer großen Jagden in den Wäldern des Hinterlandes einmal aufsuchten. 1866 wurde das Hinterland (Kreis Biedenkopf, von dem das Amt Battenberg der nördlichste Teil war) preußisch (Provinz Hessen-Nassau), 1932 wurde das Amt Battenberg dem Kreis Frankenberg (Kurhessen) angegliedert.

 

Auch der 30-jährige Krieg dürfte der Heimat arge Wunden geschlagen haben. Bei Zusammenlegungsarbeiten in der Gemarkung hat man am Ende der 20er-Jahre Hufeisenfunde gemacht, die auf Kämpfe im 30-jährigen oder 7-jährigen Krieg schließen lassen könnten. Eine große Veränderung im Dorf brachte der Große Brand, der am 26. Juli 1868 viele Häuser im Dorf zerstörte, aber keine Menschenleben forderte. Durch den Wiederaufbau nach dem Brand hat sich das Dorfbild entscheidend verändert - mit nun breiten und meist gerade verlaufenden Straßen, breiten Höfen und weiter auseinanderliegenden Häusern.

 

1838 wird das Eisenbergwerk wieder in Betrieb genommen. In alten Stollen wurden Holzgeräte, insbesondere Holzschaufeln gefunden, die auf eine frühere Ausbeutung der Erzlager schließen lassen. Bis in die 1880-er Jahre war das Werk in Betrieb. Der erste Weltkrieg ließ die Arbeit im Bergwerk wieder aufleben. Seit 1919 ruht das Leben in Schächten und Stollen. 1937 versuchte man noch einmal, den Erzgehalt des Bodens festzustellen. Bei der Feststellung ist es geblieben.

 

Mittlere und kleinere Landwirtschaftsbetriebe geben längst nicht Arbeit und Brot für alle. In den 20-er-Jahren erlebte das Laisaer Handwerk einen blütenreichen  Aufschwung.  Seine  Erzeugnisse sind über die engen heimatlichen Grenzen hinaus bekannt. Aus dieser Zeit stammt der Dorfname "Dorf des guten Handwerks".

 

1921 erhielt Laisa elektrisches Licht. 1926 wurde eine dorfeigene Wasserleitung gebaut. Nicht zuletzt war es die Kanalisation, die Laisa zum Musterdorf des Kreises Frankenberg werden ließ. 1930 war die Umlegung der Gemarkung beendet. Im Zusammenhang mit diesen Arbeiten erhielt die Jugend des Dorfes einen neuen Sportplatz ”Auf der Stümpfe". Entlang des Weges zu diesem Sportplatz bauten sich viele Heimatvertriebene aus Ungarn, der Tschechoslowakei und den deutschen Ostgebieten, die nach dem 2. Weltkrieg nach Laisa gekommen waren, ihr eigenes neues Wohnhaus auf. Sie wurden schnell in das dörfliche Leben integriert.

 

Im Jahre 1950 konnte der schon lange entwickelte Plan, eine neue Schule zu bauen, verwirklicht werden. 1952 wurde der Ortsdiener durch eine Ortsrufanlage abgelöst, die auch heute noch fast täglich dem Ortsvorsteher zur Bekanntmachung wichtiger Termine, Veranstaltungen, Glückwünsche usw. dient.

 

Im Jahre 1966 wurde unsere alte Dorfkirche gründlich renoviert. Neben dem Ausbau der Ortsstraßen wurde in den 60er-Jahren die Wasserversorgung sichergestellt. Am „Göllersborn“ wurde eine neue, sehr ergiebige Quelle gefasst und im „Stümpfewald“ ein größerer Hochbehälter errichtet. Mittlerweile sind auch die Kernstadt Battenberg und der Stadtteil Dodenau über eine Ringleitung an diese Tiefenbohrung im ”Göllersborn” angeschlossen.

 

Im Zuge der Modernisierung in der Landwirtschaft (Anschaffung von eigenen Mähdreschern) wurde imJahre 1969 die gemeindeeigene Dreschmaschine stillgelegt. Im Jahre 1970 ging ein langersehnter Wunsch der Gemeinde mit dem Bau des Dorfgemeinschaftshauses in Erfüllung. Der moderne Bau war das erste DGH Hessens, der das nach der Mittelpunktschulreform leerstehende Schulgebäude integrierte und entwickelte sich rasch zum neuen Mittelpunkt des dörflichen Lebens; nicht zuletzt deshalb,  weil in ihm neben dem großen Mehrzweckraum und dem Thekenraum (Platz für ca. 200 Personen) auch ein Jugendraum, eine komplett eingerichtete Küche, eine vollautomatische Kegelbahn, eine Heißmangel und ein Kindergarten untergebracht sind.

 

Im Zuge der Gebietsreform in Hessen wurde unsere Gemeinde im Dezember 1970 in die Nachbarstadt Battenberg eingegliedert. Nachdem bereits 1968 die Oberstufenjahrgänge (Klassen 5 - 9) in die Mittelpunktschule Battenberg überwechselten, erfolgte im Sommer 1974 durch den Abzug der Grundschule die endgültige Auflösung der Volksschule Laisa.

 

Die Einsatzbereitschaft und Ausstattung der Freiwilligen Feuerwehr wurde durch die Übergabe eines Tragkraft - Spritzen-Fahrzeuges (1972) und durch den Neubau eines Gerätehauses im Jahre 1974 entscheidend verbessert.

 

Pfingsten 1978 war dann der Höhepunkt in der Geschichte Laisas gekommen: Das Dorf beging seine 1200-Jahrfeier, verbunden mit dem traditionellen, alle 7 Jahre wiederkehrenden ‘Rückers’-Fest. Mehr als 10.000 Zuschauer beim Festzug ließen dieses Fest, trotz des miserablen Wetters, zu einem unvergesslichen Erlebnis für alle Beteiligten werden. Anlässlich der 1200-Jahrfeier wurde der Gemeinde Laisa auch die ”Freiherr-vom-Stein-Plakette” durch den Regierungspräsidenten in Kassel, der gleichzeitig auch Schirmherr des Festes war, überreicht. 

 

Trotz aller Neuerungen und immer hektischeren Zeitabläufen haben sich in Laisa Tracht, zahlreiche Sitten und Gebräuche bis auf den heutigen Tag erhalten und werden größtenteils auch weiterhin gepflegt.